Ich habe einen Traum

Gestatten Sie mir eine persönliche Frage? Wann haben Sie zuletzt geträumt?

Woher kommen Träume? Manche Menschen glauben, Träume kommen tief aus dem Unterbewusstsein. Andere sind der Überzeugung, dass Gott den Menschen in ihren Träumen seinen Willen übermittelt. Die Psychoanalyse versucht, Träume wissenschaftlich zu deuten und im Interesse eines Patienten auszuwerten. Der Volksmund sagt: "Träume sind Schäume". Ein Traum vergeht so schnell wie der Schaum eines frisch gezapften Pils. Stimmt das wirklich? Ich denke: Gott sei dank nein!

Träume können Anstoß zum handeln sein. Die großen Dichter, Wissenschaftler und Denker hatten Träume. Träume können etwas bewirken - positives wie negatives. Sie können einem Leben einen Sinn geben und die Welt verändern.

Dr. Martin Luther King wurde am 15.01.29 in Atlanta, (Georgia) USA geboren. Er vertrat eine am Christentum und am Vorbild Gandhis orientierte Politik der Gleichberechtigung aller Bürger, besonders der Farbigen. Er forderte zum gewaltlosen Widerstand gegen die Rassenschranken auf. Mit flammenden Reden für mehr Toleranz, für Gewaltlosigkeit und gegen Rassismus erreichte er die Herzen der Menschen. Er hatte einen Traum. Am 28. August 1963 hielt er vor 200.000 Schwarze und Weiße, die in Washington am Denkmal Lincolns demonstrierten, diese Rede:

Martin Luther King: Ich habe einen Traum

Meine Freunde, in diesen Tagen unserer Mühsal und Enttäuschung habe ich einen Traum geträumt, der im großen amerikanischen Traum eingebettet ist:

Ich träume, dass diese Nation eines Tages zu sich selbst finden wird, um den wahren Geist ihres Glaubens zu verwirklichen: "Wir anerkennen die selbstverständliche Wahrheit, dass alle Menschen gleichen Rechts erschaffen sind."

Ich träume, dass eines Tages auf den roten Hügeln Georgias die Söhne einstiger Sklaven und einstiger Sklavenhändler brüderlich vereint am gemeinsamen Tische sitzen werden.

Ich träume, dass der Staat Alabama, wo heute der Gouverneur ungerechte Verbote und Anordnungen erlässt, sich umwandeln wird, so dass dann kleine schwarze Knaben und schwarze Mädchen den weißen Knaben und den weißen Mädchen die Hände reichen können, um als Brüder und Schwestern gemeinsam den Weg in die Zukunft zu beschreiten.

Ich habe heute einen Traum.

Ich träume, dass eines Tages jedes Tal zugeschüttet und jeder Hügel, jeder Berg abgetragen werden wird, dass das Unebene eben und das Ungerade gerade gemacht werden wird und dass die Glorie des Herrn sich offenbaren und sichtbar werden wird für jeden Menschen, und alle Augen werden die Herrlichkeit erschauen. Dies ist unsere Hoffnung. Dies ist der Glaube, mit dem ich zurückkehre in den Süden. Und mit diesem Glauben werden wir aus den Bergen der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung herausmeißeln. Mit diesem Glauben werden wir die rasselnden Misstöne unserer Nation in einen wundervollen brüderlichen Wechselgesang umwandeln können.

Mit diesem Glauben werden wir die Kraft haben, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen und zusammen aufzustehen für die Freiheit, die eines Tages unser Leben erfüllen wird ...

Dr. Martin Luther King hat diesen Traum mit seinen Leben bezahlt. Er wurde am 04. April 1968 im Alter von 39 Jahren in Memphis, Tennessee ermordet.

Passt dieser Traum überhaupt noch in die heutige Zeit? Dr. Martin Luther King ist seit mehr als 30 Jahren tot, die USA sind weit weg und bei uns werden keine Sklaven gehalten. Nun, ich denke, der Traum vom Ende des Hasses, der Gewalt, der Traum vom friedlichen Zusammenleben aller Menschen gleich welcher Hautfarbe ist noch längst nicht erfüllt. Aber immer mehr Menschen auf der Welt träumen ihn und kämpfen gewaltlos darum, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt, die wiederum mit Gewalt beantwortet wird. Mit Panzer, Bomben, Raketen und Maschinengewehre wird kein Frieden geschaffen, sondern nur neuer Hass gesät. Solange die Ursachen der Gewalt, also Armut, Ausgrenzung und Hoffnungslosigkeit, nicht beseitigt werden, gibt es keinen Frieden.

Trotz aller Ungerechtigkeit hat Dr. Martin Luther King den Weg der Gewaltlosigkeit nie verlassen. Er hat die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen und gerade damit viel erreicht — bei Schwarzen und Weißen. Man spürt die Kraft, die die Sehnsucht nach Gewaltfreiheit und Mitmenschlichkeit freizusetzen vermag.

Aus: Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag

Die Linie, die Gut und Böse trennt, verläuft nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien, sondern quer durch jedes Menschenherz. Diese Linie ist beweglich, sie schwankt im Laufe der Jahre. Selbst in einem vom Bösen besetzten Herzen hält sich ein Brückenkopf des Guten, selbst im gütigsten Herzen — ein uneinnehmbarer Schlupfwinkel des Bösen.

Wenn der amerikanische Präsident George W. Busch von einer Achse des Bösen spricht und das Böse durch einen Angriffskrieg ausrotten will, bekomme ich Angst. Gut und Böse kommen in Reinkultur nicht vor. Wer entscheidet, wer gut und wer böse ist? Der UN-Sicherheitsrat? Die USA alleine? Nach welchen Regeln? Ist das Töten unschuldiger Männer, Frauen und Kinder nicht ein zu hoher Preis für die Abdankung eines Dikatators?

Jacques Chirac, französischer Präsident: Krieg ist der Beweis für ein Scheitern, er ist immer die schlechteste Lösung.

Stephen Vincent Benét:

Unsere Erde ist nur ein kleiner Stern im großen Weltall. Unsere Aufgabe ist es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnloser Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Darum lasst uns um den Mut und die Voraussicht bitten, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, auf dass unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!

I have a dream! And you?

Private Homepage von Dieter Radine aus Lippstadt
http://radine.privat.t-online.de/gedanken/traeume.html
Zuletzt aktualisiert am: 10.06.2004