Ende der 50er Jahre suchte das amerikanische Verteidigungsministerium eine Lösung, wie militärische Daten besser geschützt und die Kommunikation während eines Krieges aufrechterhalten werden kann, auch wenn große Teile des Telefonnetzes lahmgelegt sein sollten. Daraufhin entwickelten amerikanische Wissenschaftler in den 60er Jahren ein neuartiges Computernetzwerk:
Im Jahre 1969 wurde vom US-Verteidigungsministerium ein solches Netzwerk unter dem Namen Advanced Research Project Agency Network (Arpanet) realisiert. Der Vorläufer des Internet war geschaffen. Bis Ende des Jahres 1969 wurden zunächst vier Universitäten angeschlossen: Stanford (San Francisco), University of California (Los Angeles, Santa Barbara), University of Utah (Salt Lake City). Es entstand ein gemeinsam von Militär und Wissenschaft genutztes Netz.
Einige größere wissenschaftliche Einrichtungen und Universitäten benötigten dringend neue Computer. Groß, schnell und leistungsfähig war die Vorgabe. Der Preis für ein solches System erreichte schnell astronomische Höhen - zuviel für das Budget einer einzelen Universität oder eines einzelnen Instituts. Die Anträge der Wissenschaftler und Professoren wurden abgelehnt. Durch die Aussicht, noch jahrelang mit der alten, vorhandenen Technik arbeiten zu müssen, wurden die Wissenschaftler niedergeschlagen, mißmutig und verstimmt. Endlich kam die rettende Idee: Jedes Institut kauft ein kleines System und alle Rechner werden über Standleitungen miteinander verbunden. Dabei erinnerten sich die Wissenschaftler an die Pionierleistungen der Militärs.
Während Militärs die Möglichkeit schätzten, Daten mehrfach und auf weit entfernten Systemen zu speichern und innerhalb kurzer Zeit zu aktualisieren, war es für Wissenschaftler interessanter, auf Daten in anderen Systemen zugreifen zu können, um zeitgleich Forschungen an mehreren Orten durchführen zu können und die Ergebnisse zu publizieren. Das Hauptinteresse der Anwender konzentrierte sich lange Zeit auf den Austausch von persönlichen E-Mails. Das Arpanet breitete sich in den 70er Jahren vor allem an militärischen und wissenschaftlichen Einrichtungen immer weiter aus.
Zu den wissenschaftlichen Einrichtungen gehörten auch Universitäten. Studenenten entdeckten das Internet als Schwarzes Brett für die Suche nach Mitfahrgelegenheiten, Jobs, Wohnmöglichkeiten oder um einfach nur zu diskutieren oder zu plauschen. Das Usenet entstand 1979 zunächst als selbständiges Netzwerk. Daneben wurden weitere öffentliche Netzwerke aufgebaut: UUCP (Unix to Unix Copy), BITNET (Because It's Time Network für Verbindungen zwischen IBM-Rehner).
Großrechner verschiedener Fabrikate, Unix-Rechner und später auch Personalcomputer drängten ins Netz. Einige hatten eine Standleitung zum Internet, andere wählten sich über Telefon und Modem ein. Um die unterschiedlichen Hardwarevoraussetzungen unter einem Hut zu bekommen, wurde 1983 das neue Datenübertragungsprotokoll TCP/IP eingeführt. Datenübertragungen laufen seitdem auf allen Rechnern nach einem einheitlichen, standardisierten Verfahren.
Durch die gestiegenen Sicherheitsbedürfnisse der Militärs wurde eine Trennung zwischen zivilem und militärischen Netz notwendig. So entstand ebenfalls 1983 ein neues militärisches Datennetz, das Milnet.
Die National Science Foundation (NSF) übernahm in den folgenden Jahren die Organisation der Verbindungen der mittlerweile entstandenen verschiedenen Netze. An wichtigen Knotenpunkten der einzelnen Computernetze wurden elektronische Verbindungen (Brücken) geschaffen, die Informationen von einem ins andere System weitergaben. Viele Universitäten erkannten, daß sie durch diese Gateways Teil eines einzigen, großen golbalen Netzes werden konnten. Die Zahl der angeschlossenen Rechner nahm rapide zu. Der Begriff Internet (ein Netz von Netzen) setzte sich durch.
Tim Berners-Lee entwickelte zusammen mit Kollegen am Europäischen Institut für Teilchenphysik (Cern) in Genf im Jahre 1990 ein Mini-Netzwerk, um das Internet für einen neuartigen Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern zu nutzen. Mit Hilfe des neuen Dateiformates HTML (Hypertext Marked Up Language) und das neue Internet Protokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol) sollten
Wegen des Hypertext-Charakters wurde das ganze Projekt World Wide Web (weltweites Netz) getauft.
Weitere WWW-Server, die das neue HTTP-Protokoll unterstützten, wurden eingerichtet. Software-Entwickler ließen sich von der Idee des WWW anstecken. Besonders aktiv war Marc Andreessen. Er entwickelte Mosaic, den ersten WWW-Browser für grafische Benutzeroberflächen. Damit kam eine Lawine ins Rollen: Immer mehr Menschen installierten die frei verfügbare Software und begannen selbst, Webseiten zu erstellen. Dies führte dazu, dass auch traditionelle Online-Dienstanbieter wie CompuServe oder die Telekom, die sich zunächst gegen das "Chaos Internet" abschotteten, Hals über Kopf den Kurs wechselten und fieberhaft in das neue Medium investierten.
Marc Andreessen, der den Boom frühzeitig witterte, stieg schließlich aus dem Mosaic-Projekt aus und wurde Mitbegründer einer neuen Firma für WWW-Software: Netscape. Hier wurde der Netscape Navigator entwickelt, der das Programm Mosaic mehr und mehr ablöste. Die Firma Microsoft hatte ziemlich lange die Entwicklung des Internet verschlafen und war erst im letzten Moment auf den Internet-Zug aufgesprungen. Sie lizenzierte Mosaic und entwickelte auf dieser Basis einen eigenen Web-Browser, den Internet Explorer.
Um die Sprache des WWW zu standardisieren, schlossen sich 1994 verschiedene Industrieunternehmen zum "World Wide Web Consortium" (W3C) zusammen. Da sich anfangs die meisten Hersteller von WWW-Software an den W3C-Standard hielten, machte es im Prinzip keinen Unterschied, ob die Webseite mit dem Browser des einen oder des anderen Herstellers betrachtet wurde. Dank des Standards konnte jeder Browser die Seite korrekt darstellen.
Der Firma Netscape, zu diesem Zeitpunkt Pionier in Sachen HTML-Software, ging es nicht schnell genug voran und erweiterte die HTML-Sprache eigenmächtig um neue Funktionen. Plötzlich konnte der Netscape Navigator Tabellen darstellen oder Textpassagen blinken lassen. Der Standard wurde gewissermaßen überholt. Da der Marktanteil des Navigators zeitweise weit über 80 % lag, entwickelten sich die Netscape-Erweiterungen zum Quasi-Standard für das World Wide Web. Nur wer den Browser von Netscape einsetzte, kam auch in den Genuss der herstellereigenen Erweiterungen, die Benutzer anderer Browser schauten in die Röhre. Also übernahm die Konkurrenz die von Netscape erdachten Erweiterungen.
Nicht nur Netscape kochte sein eigenes Süppchen: Auch der Internet Explorer verfügt über Funktionen, die über den HTML-Standard des W3C hinausgehen. Hierzu gehören z. B. animierter Lauftext (Marquee) oder die Möglichkeit, eine Webseite mit Hintergrundmusik zu versehen. Einige der von Netscape und Microsoft initiierten Neuentwicklungen sind in den offiziellen HTML-Standard eingeflossen.
In den folgenden Jahren lieferten sich beide Kontrahenten einen erbitterten Browser-Krieg. Beide Firmen versuchten, sich mit immer größeren, besseren und schnelleren Browsern gegenseitig zu überbieten. Dabei verstand es Microsoft, seine Marktmacht bei den Betriebssystemen zu nutzen und den Internet Explorer perfekt in die Betriebsystemumgebung einzubinden. Im Jahr 2000 hatte der Internet Explorer einen Marktanteil von über 80 %.
Die Anzahl von Technologien und Software-Lösungen im WWW-Bereich ist heute kaum noch überschaubar. Doch je bunter und unübersichtlicher der Markt, desto wichtiger werden allgemein anerkannte und weitgehend eingehaltene Standards wie HTML und andere Sprachen, die vom W3-Konsortium normiert werden. Denn letztendlich sind die Daten das Entscheidende, nicht die Software. Immer mehr Endanwender und Entscheidungsträger beginnen das zu begreifen. Und dementsprechend wächst der Druck auf Software-Hersteller, sich an den Standards zu orientieren. Das gilt für einfache Dokumentformate wie HTML genau so wie etwa für Ansätze zu elektronischem Business.
Dieters Einführung ins Internet
http://radine.privat.t-online.de/internet/entwicklung.html
Zuletzt aktualisiert: 07.06.2004